Baumbarts Lied
Gerade erst schaute ich auf den Kalender und realisierte, dass Christopher Lee seit über einem Jahr tot ist.
Wie merkwürdig. Ich hatte vorher nie Anteil an dem Tod eines Promis genommen und eigentlich auch nicht vor, das zu ändern. Und trotzdem war es plötzlich passiert.
Nicht, weil ich irgendwelche wichtigen Kindheitserinnerungen mit Lee verband. Die meisten seiner Filme sah ich erst mit 16+ aufwärts. Dazu zählen auch seine legendären Dracula-Filme. Aber ich verliebte mich letzten Endes in seine Stimme, seinen Gesang, seine unaufdringliche Weisheit. Ein wirklich großartiger Mensch.
Aber der Tag seines Todes blieb mir nicht deswegen so gut in Erinnerung. Sondern weil sich an jenem Tag einer dieser merkwürdigen Zufälle zutrug, die das Leben einem manchmal so spielt. Unerwartet, aber doch immer wieder.
Ich gerade in der Uni. Im dritten Stock eines Plattenbaus der 80er Jahre. Flur, auf dem Tisch. Kopfhörer im Ohr. Wollte einen Dozenten sprechen, checkte nochmal kurz die Twitter Timeline.
Christopher Lee, gestorben.
Ich hielt inne. Fühlte nichts und alles. Hielt inne. Dann drang der Laut aus den Kopfhörern wieder an mein Ohr.
Treebeard's Song.
Von Christopher Lee.
Es sind diese Zufälle, die das Leben so unwirklich scheinen lassen. So bedeutungsvoll. Wie kann es sein, fragt man sich? Dieses eine Lied aus hundert Liedern. Dieser eine Moment aus hundert Momenten. Und selbst der radikalste Atheist (ich) stellt die Zufälligkeit des Lebens plötzlich in Frage. Wie kann es sein? Wie kann es nur sein.
Ich hatte mir immer mal gewünscht, Christopher Lee nochmal zu begegnen. Das war mir leider nicht vergönnt. Und doch hat sich der Augenblick seines Todes so festgebrannt in meinem Leben. Meinem Leben. Gerade jetzt. Ich wünschte, er wüsste das. Er weiß es nicht. Aber ich denke, es würde ihm gefallen.
Irgendwie.
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